Hinweis: BIM24.io ist ein privates redaktionelles Fachportal der Zurynski, Oezdogan & Co GmbH rund um Building Information Modeling (BIM), IFC-Standard und Bauproduktdaten - keine offizielle Normungs- oder Standardisierungsstelle. Die Betreiberin vertreibt daneben die Wärmedämmbeschichtung PSCoat über powersmartcoat.de.
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16. September 2026 8 Min. Lesezeit

Was ist BIM? Building Information Modeling, der offene Datenstandard IFC und warum openBIM zählt

Building Information Modeling — kurz BIM — wird in der Baupraxis oft mit einer bestimmten Software gleichgesetzt. Das verkürzt die Sache: BIM ist eine Arbeitsmethode, kein Produkt. Sie beschreibt, wie an einem digitalen, modellbasierten Datenbestand über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg gearbeitet wird — von der ersten Entwurfsidee über Planung und Ausführung bis zu Betrieb und späterem Rückbau. Zentral ist ein Modell, das nicht nur Geometrie abbildet, sondern jedes Bauteil mit strukturierten, maschinenlesbaren Eigenschaften versieht: Material, Abmessungen, Bauphysik, Hersteller, Wartungsintervalle.

Vier Phasen, ein Modell

Der Anspruch von BIM ist, dass dieselbe zugrunde liegende Datenbasis über den gesamten Lebenszyklus mitwächst, statt bei jedem Phasenübergang neu erzeugt zu werden:

Planung. Architektur, Tragwerk und Technische Gebäudeausrüstung modellieren jeweils ihr Fachmodell; Kollisionen — etwa eine Lüftungsleitung, die durch einen tragenden Unterzug verlaufen soll — werden am Modell erkannt, bevor gebaut wird.
Ausführung. Aus dem Modell lassen sich Mengen für die Ausschreibung ableiten, Bauabläufe simulieren und Änderungen während der Bauzeit nachverfolgen.
Betrieb. Das sogenannte As-built-Modell — angepasst an das tatsächlich Gebaute — dient dem Facility Management als Grundlage für Wartungspläne, Bestandsdokumentation und spätere Umbauten.
Rückbau. Materialdaten im Modell erleichtern die Planung von Rückbau und Verwertung, etwa welche Stoffe in welcher Menge in welchem Bauteil verbaut sind.

In der Praxis wird dieser Anspruch selten vollständig erfüllt — in vielen Projekten bricht die Datenkette beim Übergang von der Ausführung in den Betrieb ab, weil das Modell nicht konsequent auf den tatsächlichen Bauzustand aktualisiert wird. Der Anspruch bleibt aber der Maßstab, an dem sich openBIM-Umsetzungen messen lassen.

closedBIM und openBIM — ein Unterschied mit Konsequenzen

In der Praxis haben sich zwei Ausprägungen etabliert. Bei closedBIM arbeitet ein Projekt durchgehend mit den proprietären, oft binären Formaten eines einzelnen Softwareherstellers. Das funktioniert reibungslos, solange alle Beteiligten dieselbe Software derselben Version nutzen — und wird zum Problem, sobald ein Fachplaner mit anderer Software arbeitet, ein Bauteilhersteller Daten liefern soll oder das Bauwerk zwanzig Jahre später mit Software betrieben werden muss, die es beim Bau noch gar nicht gab.

openBIM löst dieses Problem, indem der Datenaustausch über herstellerneutrale, offen dokumentierte Formate erfolgt. Kein Software-Hersteller kontrolliert das Format; jeder kann Werkzeuge bauen, die es lesen und schreiben. Das zentrale Format dafür ist IFC.

buildingSMART — die Organisation hinter dem Standard

Die Standards für openBIM werden nicht von einem einzelnen Softwarehersteller festgelegt, sondern von buildingSMART International, einer herstellerneutralen, gemeinnützigen Organisation. Sie ging 1994 aus einem von Autodesk initiierten Industriekonsortium hervor, das zunächst als Industry Alliance for Interoperability firmierte, ab 1996 als International Alliance for Interoperability (IAI), und wurde 2005 in buildingSMART International umbenannt. In Deutschland vertritt der eingetragene Verein buildingSMART Deutschland e.V. die Organisation; er bündelt Mitglieder aus Planung, Bauwirtschaft, Software-Industrie und öffentlicher Hand und beteiligt sich an der fachlichen Weiterentwicklung der Standards.

buildingSMART entwickelt und pflegt mehrere offene Standards, die zusammen den openBIM-Werkzeugkasten bilden. Der wichtigste und älteste ist IFC.

IFC — Industry Foundation Classes

IFC ist ein offenes Datenschema, das beschreibt, wie Bauwerksobjekte — Wände, Fenster, Leitungen, inzwischen auch Brücken und Straßen — und ihre Eigenschaften, Geometrien und Beziehungen zueinander softwareneutral abgebildet werden. Ein IFC-Modell lässt sich grundsätzlich mit jeder Software öffnen, die den Standard implementiert, unabhängig vom Hersteller des Ausgangsprogramms.

IFC ist zugleich eine ISO-Norm. Die Entwicklung verlief in mehreren Ausgabeständen:

FassungAusgabestandWesentliches

IFC2x3ISO 16739:2013langjährig verbreitete Basisfassung für Hochbau
IFC4 (Add2 TC1)ISO 16739-1:2018erste Fassung unter der zweiteiligen Normstruktur (Teil 1: Datenschema)
IFC4.3 (IFC4.3.2.0)ISO 16739-1:2024Infrastruktur-Erweiterung: Brücken, Straßen, Schienen, Wasserstraßen, Hafenanlagen

Die Ratifizierung von IFC4.3 als finaler ISO-Standard wurde von buildingSMART International am 4. Januar 2024 bekanntgegeben; die zugehörige Norm trägt die Bezeichnung ISO 16739-1:2024, vollständiger Titel „Industry Foundation Classes (IFC) for data sharing in the construction and facility management industries — Part 1: Data schema“. Mit IFC4.3 deckt der Standard erstmals durchgängig auch Infrastrukturbauwerke ab, die zuvor nur unzureichend abbildbar waren. Parallel wird an einem kleineren Folgeupdate IFC4.4 (überwiegend auf semantischer Ebene) sowie an einer grundlegend neu konzipierten Fassung IFC5 gearbeitet; ein Veröffentlichungstermin für beide lag zum Redaktionszeitpunkt nicht in belastbarer Form vor.

Weitere offene Standards im openBIM-Werkzeugkasten

IDS (Information Delivery Specification) — ein maschinenlesbares Format, mit dem Anforderungen an ein IFC-Modell (welche Bauteile brauchen welche Eigenschaften) definiert und automatisiert geprüft werden können.
BCF (BIM Collaboration Format) — ein offenes Format für den Austausch modellbezogener Anmerkungen und Klärungsbedarfe zwischen unterschiedlicher BIM-Software, unabhängig vom eigentlichen Modellformat.
bSDD (buildingSMART Data Dictionary) — ein offenes, mehrsprachiges Verzeichnis von Begriffen und Merkmalen (Datentyp, Einheit, Wertebereich), das die Eigenschaftssätze von IFC ergänzt und Herstellern erlaubt, Bauprodukte einheitlich zu klassifizieren. Der zweite Beitrag dieser Reihe geht darauf näher ein.

Warum openBIM mehr ist als eine technische Vorliebe

Drei Gründe tragen die Verbreitung von openBIM in der Praxis:

Lebensdauer schlägt Softwarezyklus. Ein Bauwerk steht Jahrzehnte, eine Software-Version wenige Jahre. Wer sein Bauwerksmodell ausschließlich in einem proprietären Format vorhält, riskiert, dass es in zwanzig Jahren nicht mehr lesbar ist, weil der Hersteller das Format geändert oder das Produkt eingestellt hat. Ein offenes, dokumentiertes Format bleibt dagegen grundsätzlich interpretierbar.

Gewerkeübergreifende Zusammenarbeit. An einem Bauprojekt arbeiten Architektur, Tragwerksplanung, Technische Gebäudeausrüstung und zunehmend auch Infrastrukturplanung mit jeweils spezialisierter Fachsoftware unterschiedlicher Hersteller. Ohne ein gemeinsames, neutrales Austauschformat müsste jede Software-Kombination einzeln über Schnittstellen verbunden werden.

Neutralität bei öffentlicher Vergabe. Öffentliche Auftraggeber dürfen Ausschreibungen grundsätzlich nicht so gestalten, dass sie faktisch nur mit einem bestimmten Softwareprodukt zu erfüllen sind — das würde den Wettbewerb einschränken. Ein auf IFC basierender, offener Datenaustausch erlaubt es, BIM in Ausschreibungen zu verlangen, ohne ein bestimmtes Programm vorzuschreiben. Wie das in Deutschland konkret geregelt ist, behandelt der zweite Beitrag dieser Reihe.

Ein Bauteil in IFC — vereinfacht dargestellt

Wie granular IFC ein einzelnes Bauteil beschreibt, lässt sich an einer Außenwand mit Wärmedämmverbundsystem grob skizzieren. Das Bauteil selbst (IfcWall) erhält eine Geometrie und ist mit einem mehrschichtigen Materialaufbau (IfcMaterialLayerSet) verknüpft, der jede einzelne Schicht — Mauerwerk, Dämmschicht, Putz — mit eigener Dicke und eigenem Material abbildet. Zusätzlich lassen sich Eigenschaftssätze (Property Sets) anhängen, etwa zu Brandverhalten oder Schallschutz. Diese Struktur ist softwareunabhängig: Ein Planungsprogramm liest sie ebenso wie ein Werkzeug für Energiebilanzierung oder ein Facility-Management-System, sofern beide IFC unterstützen. Der dritte Beitrag dieser Reihe geht darauf ein, woher die konkreten Zahlenwerte für eine Dämmschicht kommen.

Ein Bauteil in IFC — vereinfacht dargestellt

Wie granular IFC ein einzelnes Bauteil beschreibt, lässt sich an einer Außenwand mit Wärmedämmverbundsystem grob skizzieren. Das Bauteil selbst (Klasse IfcWall) erhält eine Geometrie und ist mit einem mehrschichtigen Materialaufbau (IfcMaterialLayerSet) verknüpft, der jede einzelne Schicht — Mauerwerk, Dämmschicht, Putz — mit eigener Dicke und eigenem Material abbildet. Zusätzlich lassen sich Eigenschaftssätze (Property Sets) anhängen, etwa zu Brandverhalten oder Schallschutz. Diese Struktur ist softwareunabhängig: Ein Planungsprogramm liest sie ebenso wie ein Werkzeug für Energiebilanzierung oder ein Facility-Management-System, sofern beide IFC unterstützen. Voraussetzung ist allerdings, dass die exportierende Software die Eigenschaften tatsächlich korrekt in die vorgesehenen IFC-Strukturen schreibt — ein häufiger praktischer Schwachpunkt, der als „IFC-Exportqualität“ bezeichnet wird und von Software zu Software unterschiedlich ausfällt. Der dritte Beitrag dieser Reihe geht darauf ein, woher die konkreten Zahlenwerte für eine Dämmschicht kommen und was das für den fehlenden digitalen Produktpass bedeutet.

Anzeige. Wer sich mit BIM-Datenmodellen für Gebäudehüllen beschäftigt, stößt am Ende auch auf die physische Ausführung — etwa auf die Wärmedämmung, deren Kennwerte im IFC-Modell hinterlegt werden. Ein Beispiel aus diesem Bereich ist PSCoat, eine nanotechnologiebasierte Dünnschicht-Wärmedämmbeschichtung für Gebäudehüllen, Dächer und technische Anlagen mit einer Schichtstärke von wenigen Millimetern (laut Hersteller 1–3 mm). Belege einer neutralen Stelle gibt es dafür nicht. Mehr Informationen: powersmartcoat.de.

Herkunft der Angaben

Die Angaben zu ISO 16739-1:2024, ISO 16739-1:2018 und ISO 16739:2013 wurden am 16.9.2026 gegen die Normauskunft von iso.org geprüft (Normnummern, Titel, Teilstruktur). Der vollständige Normtext selbst wurde nicht eingesehen, da ISO-Normen kostenpflichtig sind; die Angaben stützen sich auf die öffentlich zugängliche Katalogbeschreibung.
Das Datum der Ratifizierung von IFC4.3 als finaler ISO-Standard (4. Januar 2024, Ankündigung durch buildingSMART International) wurde über die Ankündigungsmeldung von buildingSMART International geprüft, nicht über eine Primärquelle der ISO selbst.
Gründungsjahr (1994, als International Alliance for Interoperability) und Umbenennung (2005 in buildingSMART International) stammen aus der Chronik auf buildingsmart.org, abgerufen 16.9.2026. Eine zweite unabhängige Quelle zur Jahreszahl 1994 wurde nicht herangezogen.
Rechtsform und exakte Mitgliederzahl von buildingSMART Deutschland e.V. wurden nicht verifiziert; die Bezeichnung als eingetragener Verein folgt der Selbstdarstellung auf buildingsmart.de, nicht einem Handels- oder Vereinsregisterauszug.
Zu IFC4.4 und IFC5 lag zum Redaktionszeitpunkt (16.9.2026) kein verifizierter, offiziell bestätigter Veröffentlichungstermin vor; die Aussage „in Arbeit“ beruht auf Sekundärquellen (Fachartikel), nicht auf einer offiziellen Roadmap-Veröffentlichung von buildingSMART International selbst.
IDS und BCF wurden anhand der Selbstdarstellung von buildingSMART International eingeordnet; ob beide bereits denselben formalen ISO-Normstatus wie IFC besitzen oder als buildingSMART-eigene Standards ohne ISO-Verfahren geführt werden, wurde nicht im Detail geprüft.

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